
Dear Reader, These New Puritans, Saint Etienne, Peter Doherty
07.08.09 - Flughafen Tempelhof / Berlin
Konzert-Bericht: Dirk
Foto: Pressefoto
Nachdem man die mediokren Humanzi und Frankmusik noch ausgelassen hat, gilt es, auf dem beeindruckenden Gelände (mit extra organisiertem Rosinenbomber) des erst vor kurzem stillgelegten Flughafen Tempelhof mit Dear Reader den ersten wirklich interessanten Act zu begutachten. Zwar konnte die südafrikanische Kapelle auf Albumlänge trotz wunderbarer Instrumentierung nicht völlig überzeugen, was sich nach dem heutigen Abend aber noch ändern kann. Doch der Auftritt auf der kurzfristig in den Hangar verlegten Hauptbühne (die vor allem im mittleren und hinteren Bereich mit großen Soundproblemen zu kämpfen hat) hinterlässt gemischte Gefühle. Dear Reader komponieren zweifellos schöne Musik, verfügen mit Cherilyn MacNeil über eine bezaubernde Sängerin, aber das letzte Quäntchen an Qualität fehlt. Sogar ein Hauch Langeweile vermag sich einzuschleichen.
Danach wartet mit These New Puritans aus UK eine hochinteressante Band auf die zunehmende Besuchermenge. Auf demselben Label wie die deliziösen Clearlake befindlich, faszinieren sie zumindest zu Beginn mit explosiven Gitarren und elektronischen Spielereien. Doch macht sich schon nach kurzer Zeit Ernüchterung breit. Als zu schwach nämlich erweisen sich die experimentellen Stücke, die vor allem durch mystisch angehauchtes Geschwurbel die Lust auf diese Formation wieder vergehen lassen. Schade eigentlich, denn auch das wie gewohnt kraftvolle „Elvis“ kann das Set nicht mehr retten.
So bleibt es dann Saint Etienne vorbehalten, für den vermeintlichen Höhepunkt des Abends zu sorgen. Was aber nicht vollständig gelingt. Saint Etienne spielen wie vermutet zum achtzehnjährigen Jubiläum von „Foxbase Alpha“ einige Tracks ihres Debüts und selbstverständlich Songs wie das wunderbare „Heart Failed Back in A Taxi“ ihrer Anfang des Jahres erschienen Greatest Hits-Compilation. Im Vordergrund steht natürlich Sängerin Sarah Cracknell, die im Stil einer Chanteuse mit obligatorischer Federboa und ihrem zwar dezenten und sympathischen, aber eben auch mit platten Klischees hantierenden Auftreten nicht jeder Fraus Geschmack im Publikum trifft. Trotzdem geriert sich ein feiner Auftritt, der mit den letzten beiden Songs „Sylvie“ und „He‘s On the Phone“ noch zwei wunderbare Klassiker enthält, die dann doch gewärmten Herzens zurück lassen, bevor es gilt, sich für den Rest des Tages zu stärken.
Was aufgrund der zwar nicht niedrigen, aber für Festival-Verhältnisse zumindest akzeptablen Preise kein Problem sein sollte. Sollte. Denn die gnadenlose Unterbesetzung des Afro-Food-Standes führt dann doch zu einer kleinen Schwächephase des Rezensenten, der neben durch Alter und vor kurzem erlittener Knieverletzung und daraus resultierender mangelnder Standfestigkeit nicht mehr so festivaltauglich erscheint wie noch vor Jahren. Sonst hätte dieser noch den formidablen Auftritt von WhoMadeWho in voller Länge mitbekommen können. So reicht es nur für eine Handvoll Songs, bevor der Headliner des Abends kritisch gemustert wird, der unerwarteter Weise überpünktlich auf der Bühne steht und ein überraschend tolles Konzert in Überlänge präsentiert. Das liegt vor allem am schon zu Beginn kredenzten „For Lovers“, einigen Libertines-Stücken und einer kreativ konzentrierten, musikalisch versierten, dabei dezenten, durch zwei Tänzerinnen ergänzten, Performance. Im Anschluss ist es höchste Zeit, nach Hause zu fahren, um sich im heimischen Bett zu erholen und dem nächsten Tag, der mehr Highlights bieten dürfte, optimistisch entgegen zu sehen.
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