
Who Is Afraid Of The Big Bad Wolf
24.08.08 - Kulturbunker Mülheim / Köln
Konzert-Bericht: Martina
Foto: Andreas
Es hat sich schon bis nach Mosfellsbaer rumgesprochen wie schön es doch in Köln ist. Nur zwei Wochen nach dem Olafur Arnalds für Sigur Ros im Vorprogramm spielte, besucht der Isländer die Domstadt erneut. Diesmal um selbst die Rolle des Gastgebers zu übernehmen. Eine musikalisch passende Eröffnungsband stammt sogar aus Köln: Who Is Afraid Of The Big Bad Wolf. Auch deren drei Musiker bevorzugen wie der Hauptact die leisen Klänge von Cello und Geige. Die Klassiktöne werden mit einer Akustikgitarre in die Poprichtung bewegt. Trotzdem bietet es wenig Abwechslung, die meisten Töne klingen ähnlich. Nach einer ziemlich langen halben Stunde ist der erste Eindruck des anstehenden Debüts überstanden.
Als die Instrumente der Vorgruppe abgeräumt sind, bleibt nur noch ein Halbkreis aus vier Stühlen übrig. Auf der linken Seite stehen separat das Piano und ein Notebook. Der Fußboden wird mit kleinen Glühlampen dekoriert, es ist die einzige, konstant helle Lichtquelle während des Auftritts. Um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, werden nur blaue Scheinwerfer eingesetzt. Das Licht strahlt starr von oben auf die noch menschenleere Bühne herab. Fast lautlos suchen sich die fünf Musiker ihren Platz. Nur das Zurechtrücken der Stühle ist zu hören, die Notenständer werden noch in die richtige Position gebracht dann begrüßt Olafur Arnalds das Kölner Publikum. Es wird still, angenehm still. Alle lehnen sich entspannt erwartend zurück um die elegisch, schöne Unterhaltung ganz und gar zu verfolgen. Niemand redet mehr. Die 200 Besucher haben ihre Sprachfunktion für die nächste Stunde abgestellt.
Der kleine Saal wird nur mit den seichten Klängen der Streichinstrumente gefüllt. Schon nach den ersten Minuten geht jegliches Zeitgefühl verloren. Man versinkt in der Tiefe des blauen Lichts zu perfekt inszenierten Musikstücken. Ohne zu merken wann das nächste Stück beginnt, fließen die Melodien ineinander über. Manchmal klingt es so leise, dass es den Eindruck erweckt, die Instrumente würden schweigen. Nur ein Hauch von Klängen ist zu fühlen. Die dunkel eingehüllte Bühne deutet nur die Silhouette des kleinen Orchesters an. So kann man sich ohne Ablenkung vollkommen auf die Musik konzentrieren. Die feinsinnige Stimmung wird zuweilen nur von elektronischen Effekten und einem glasklaren Pianospiel langsam ansteigend, aber niemals laut werdend - emotional ausschweifend zugeschnitten. Samples oder die Einspielungen vom Band reichen in diesem Fall völlig aus, jeglicher Gesang bleibt verzichtbar.
Arnalds freut sich zwischen den Stücken, dass seine Musik soviel Interesse erweckt - obwohl die Stücke doch sehr ruhig sind und man sich zu ihnen nicht bewegen oder gar headbangen kann, wäre es doch viel zu warm auf der Bühne. Wahrscheinlich liegt es daran, dass sich Herr Arnalds mehrere Schichten Kleidung angezogen und dazu noch eine schicke Krawatte umgebunden hat. Das Anschalten der Klimaanlage jedenfalls sorgt für die nötige Abhilfe. Mit seiner Ansage zu „Himininn Er Ad Hrynja, En Stjörnaurnar Fara Pér Vel“, die so schnell gesprochen wird, dass man kaum folgen kann, heimst sich Olafur Arnalds weitere Sympathiepunkte vom Publikum ein. Mit vollkommener Schönheit aus Eleganz und Zerbrechlichkeit prädestiniert, endet so unmerklich eine Stunde des Selbstvergessen mit dem Ausklingen einer kleinen Symphonie.
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