
Wer sucht eigentlich Vorbands aus? In Falle von Laid aus Berlin sicher nicht der Hauptact persönlich. Denn der komplett clichésverstopfte Rumpelrock der Berliner lässt einen nach dem zweiten Song hoffen, dass die Band noch so verdammt jung ist, dass sie erst vier fertige Songs in der Tasche haben. Irrtum, leider. Denn Laid haben bereits „CDs am Merchandising-Stand liegen“. Da bleiben sie wohl auch, denn bis auf eine handvoll mitgebrachter Fans, herrscht in der anfangs noch luftig gefüllten Columbiahalle eher Unverständnis über einen Sänger, der das Publikum anschreit als würde er gerade auf der Waldbühne stehen, wo heute Abend ja Linkin Park auftreten. Hätte wahrscheinlich besser gepasst.
Als nach viel zu vielen Laid-Songs und einer alles andere als knappen Umbaupause Beck Hansen im museumstauglichen Grunge-Outfit (Holzfällerhemd, dufte Jeans und Arbeitsschuhe), mit einer wallenden blonden Mähne und roter Plastik-Sonnenbrille auf die Bühne tritt, hat sich die Halle dem Anlass entsprechend angemessen gefüllt. Dass der Mann, der am kommenden Freitag mit „Modern Guilt“ sein immerhin schon achtes Album veröffentlicht, aus den Vollen schöpft, beweisen dann auch bereits die ersten 15 Minuten. Nicht weniger als drei Hits in Form von „Devil Inside“, „Nausea“ und „Looser“ eröffnen das Set. Die neuen Stücke verstecken sich – wenn nicht kurz angekündigt - unbekannterweise mehr oder weniger unerkannt zwischen Semi-Hits wie „E-Pro“, dem überraschend rockig vorgetragenen „Lost Cause“ vom umso ruhigeren „Sea Change“-Album und dem immer noch wunderbaren „Everybody’s Gotta Learn Sometimes“-Cover aus dem „Eternal Sunshine Of The Spotless Mind“-Soundtrack. Lediglich das verträumte und den Zugabenblock einleitende „Chemtrails“ ist ob seines Sounds klar als neu zu verorten. Die anderen, von Brian DangerMouse Burton produzierten Stücke fügen sich ohne Stolperfallen ins Set ein. Die Band spielt routiniert, Mr. Hansen lässt hinter dunklen Sonnenbrillengläsern und mit seinen, zur eigenen Körpergröße passenden E-Gitarren in Xtra-Small kaum eine Regung erkennen. Kommuniziert wird ausschließlich über die Musik, für einen Schwank aus seinem Leben fehlt wohl die Lust. Ein Manko, das im Publikum von so gut wie niemandem beklagt wird, solange die Hits so unbekümmert aus den Lautsprecherboxen kommen wie sie es denn mit „Where It’s At“, „Timebomb“ und „Deadweight“ bis zum Ende und fast ohne Unterlass tun.
Beim Rausgehen freuen sich Laid vor dem Mischpult immer noch wie Bolle, dass sie Beck supporten durften. Doch selbst wenn beide Acts an diesem Abend Gitarrenrock gespielt haben, war der eine war dem anderen haushoch überlegen.
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