
Aktivität mit lahmenden Füßen ist ein schwieriges Unterfangen - insbesondere am Ausklang des Wochenendes. Umso besser wenn es Alternativen gibt und diese es zudem noch vermögen, musikalisch zu verzaubern. Den Sonntag könnte man sich für eines der Opernhäuser Berlin reservieren oder aber die Gelegenheit nutzen, im Foyer des Kino Babylon zunächst alte Bekannte zu treffen, um dann sitzend im Schatten der Volksbühne im Soloprogramm Kristofer Aströms nordische Tiefen zu orten.
Zunächst konnte nach dem flüsternd, äußerst minimalistischen Spiel von „Malte“ im Vorprogramm der Techniker etwas aufatmen. Hatte er doch gut die Regler zu drehen, um in den tonlosen Pausen nicht allzu viel Brummen auf die Ohren geben zu müssen. Ein durchaus interessantes Konzept, Pausen und Minimalismus zur Musik zu erheben.
Kristofer Aström, der sonst als eher wohlig, zurückhaltend und leise gilt, wirkte dagegen fast saunafrisch polternd als er sich in Lederjacke wippend auf die Bühne von der abgesenkten Treppe aufschwang. Das Kino sehr gut gefüllt, in sonntäglich gelassener Erwartung auf das Soloprogramm des „Fireside“- und „The Hidden Truck“-Gitarristen, der schon einige Male die Berliner besuchte. Er scherzte, witzelte, könne seine smarte Lederjacke nicht ausziehen, um es darauf postwendend zu tun. Stimmte minutenlang seine Gitarre und genoss die gelöste Atmosphäre. Heimspiel. Absolut. Becks alkoholfrei auf der Bühne war auch nur ein Aufhänger zum Weiterflaxen. Zu schwer und theatralisch möchte man meinen wollte er den Abend unter den roten Samtvorhängen nicht auskleiden. Der Sound - bestechend klar. Die Mundharmonika begleitete nicht nur „Better With The Night“ vom 2004 erschienenen Album „Loupita“ - spärlich, reduziert wie das Original. Leise Instrumentalstücke die ihre Wärme voll entfalteten. Ein Wechselspiel der Klangfarben wie zwischen Tag und Nacht: „Things get better in the morning when you bring me life“. Das Set ist präzise auf ein Soloprogramm ohne größere Unterstützung abgestimmt.
„Just A Little Insane“, die Singleveröffentlichung von seinem aktuellen Album „Rainaway Town“, nutzte der Songwriter, um das Publikum aktiv in den Bann zu ziehen. Mitsingen – die zwei Takte Pause gegenüber der Aufnahme bzw. sein antwortendes Echo wurden in ein Antwortspiel verflochten. Der Schwede holte das Publikum aus der Zwangsjacke seiner gewissermaßen zwangsläufig passiven Rolle. Im Video zum Song wird rennend, verschränkt geflüchtet und im Konzert galt es, die Arme zu öffnen. Aström: “Just a little insane but ahead of the game”. Das Publikum raunt es leise zurück. „One More Drink“ von der 2003er „Dead End“-EP beschrieb einen Konzerthöhepunkt. Für einen guten Freund geschrieben erzählt Aström vom ewigen Kreislauf sich doch schon längst verabschieden zu wollen und den „wirklich letzten Drink“ zu bestellen „Just one more drink and I’ll go home - one more bar on my way home, there’s still one more bar on my way home“. Es geht letztlich noch in die nächste Bar. Mit einem ähnlichem „circulus vitiosus“, dem Teufelskreis aus positiver Rückkopplung, entlässt Kristofer Aström das Publikum schließlich nach zwei Zugaben ins Kinofoyer. One more drink.
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