
The Cave Singers, Tyler Ramsey
10.03.08 - Columbiaclub / Berlin
Konzert-Bericht: Dirk
Foto: Bandfoto
Wer hätte das gedacht? Noch vor wenigen Jahren mit Carissa’s Wierd ohne Erfolg, stehen Ben Bridwell und Matt Brooke heute mit ihrer 2004 neu gegründeten Formation Band of Horses auf der Bühne des Berliner Columbiaclubs, in dem es fast kein Durchkommen mehr gibt. Denn spätestens mit ihrem Zweitling „Cease To Begin“ konnten sich Band of Horses auch hierzulande vor überschwänglichem Kritikerlob nicht mehr retten.
Nach dem hübsch anzuhörenden, folkigen Support von Tyler Ramsey und The Cave Singers, die wenigstens mit ihrem letzten Song Erinnerungen an die Cold War Kids hervorrufen, erklingen mit den emphatisch intonierten Balladen „Monsters“ und „The First Song“ ihres Debüts „Everything All The Time“, bei denen auch Sänger Ben Bridwell Keyboard spielt, nach einer angenehm kurzen Umbaupause auch schon die ersten beiden beeindruckenden Stücke des Quintetts aus der Musikmetropole Seattle, das am heutigen Abend sogar sechs Musiker vereint. Erst danach tauscht Bridwell Keyboard gegen Gitarre, was sich anschließend nur noch selten ändern wird. Zeit für den großen Hit, Zeit für das enthusiastisch aufgenommene „Is There A Ghost“, das den einprägsamen, hohen und warmen Gesang mit nach vorne preschenden Gitarren und einer unvergesslichen Hookline paart. Stellvertretend für das ganze Konzert, das die eher pop-affinen Studiotracks zwar nah am Original, dabei aber in wesentlich breitwandigere und voluminösere Interpretationen transformiert. Danach spielen sich Band of Horses durch ein alternierend aus Songs ihres Erstlings und des aktuellen Albums bestehendes Set, das nahezu jeden zufrieden stellt. Auffällig dabei, dass scheinbar doch ein Großteil der Anwesenden nur mit den bekanntesten Stücken vertraut zu sein scheint. Sehr schade. So werden zwar der Höhepunkt der Performance, das in einer sprachlos machenden Version aufgeführte und zu Tränen rührende „Ode To LRC“ oder eine neue Komposition von Keyboarder Rob Hampton angemessen bejubelt, aber der vielleicht beste Song von „Cease To Begin“, „Cigarettes, Wedding Bands“ fast schon gleichgültig goutiert. Natürlich muss niemand die anderen populären Tracks vermissen. „No One’s Gonna Love You“ oder „The Great Salt Lake“ - alles wird zu Gehör gebracht. Allein den Abschluss des regulären Teils hätte man mit „The Funeral“ und „Cigarettes, Wedding Bands“ nicht besser inszenieren können: „Thank you. Take care.“ haucht Ben Bridwell schüchtern in Richtung des völlig zu Recht entrückten Publikums. Ungeachtet großer Euphorie fehlt allerdings noch ein Song zur absoluten Glückseligkeit: Das viel zu selten gespielte „Detlef Schrempf“. Und auch nach der Zugabe wird man dieses Kleinod noch vermissen.
Doch diese beschließt das Konzert mit „Marry Song“ und vor allem einem mitreißenden „The General Specific“ auch so überzeugend. Ein schöner Auftritt einer sympathischen und jeglicher Poserei fernen Band liegt hinter uns. Zeit sich den Weg in die kalte Berliner Nacht zu bahnen und trotz Streiks das Zuhause gut gelaunt zu erreichen.
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