Konzerte

Arctic Monkeys

Arctic Monkeys

The Coral

 

09.07.07 - C-Halle / Berlin

Konzert-Bericht:  Dirk & Eric

Foto: Pressefoto

 

 

 

The Coral

Punkt 21 Uhr betreten The Coral die Bühne der aus allen Nähten platzenden Columbiahalle, um den Abend für die Arctic Monkeys zu eröffnen. Eine ziemlich ungewöhnliche Konstellation, wenn man bedenkt, dass beide Bands musikalisch doch sehr wenige Gemeinsamkeiten aufweisen.

Doch scheinbar haben sich genügend Fans der sechs Liverpooler Twentysomethings, die im August mit „Roots & Echoes“ immerhin schon das fünfte Album vorlegen, unter die Zuhörer gemischt. Denn schon zu den ersten Klängen von „Goodbye“ bildet sich eine doch recht große Menge hüpfender junger Menschen, die auf den Hit des Debüts die angemessene Reaktion zeigen. Warum ist es dieser Band eigentlich noch nicht gelungen, auch in Europa den endgültigen Durchbruch zu schaffen? Eine zufriedenstellende Antwort lässt sich darauf nicht finden. Aber wenden wir den Blick ab von der Vergangenheit und werfen ihn in die Zukunft. Denn die könnte für die Vorbandabonnenten rosig aussehen. Mit dem neuen Album, aus dem sie insgesamt fünf Songs spielen, könnte es vielleicht auch hierzulande mit dem Erfolg funktionieren. The Coral haben schon immer wunderschöne kleine Lieder mit Ohrwurmqualitäten geschrieben, wie der heute präsentierte Backkatalog unwiderlegbar beweist: „Don’t Think You’re The First“, „Dreaming Of You“, „Pass It On“ und vor allem das zwischen eine Ballade vortäuschenden und explodierenden Passagen changierende „I Remember When“ sind das Eintrittsgeld allein schon wert. Dazu gesellen sich noch die neuen, fast durchgehend guten Stücke wie die aktuelle, in England mit Sicherheit die TOP 10 knackende Single „Who’s Gonna Find Me“, die schöne Midtemponummer „Jaqueline“ und die beiden wieder einmal mit schmeichelnden Hooklines aufwartenden Kleinode „Remember Me“ und „She’s Got A Reason.“ Lediglich das sehr krachige „In The Rain“ wirft einige Sorgenfalten auf. Dann doch lieber „In The Morning.“ Zudem stimmt auch noch die Mischung der Setlist, ganz im Gegensatz zu anderen, an dieser Stelle namentlich nicht genannten Bands, die den Fehler begehen, bei der Vorstellung ihres neuen Werks zu viele neue Tracks zu spielen. Wirklich vorbildlich! Ein weiteres Zauberwort für die heutige Performance lautet: Hingabe! Allen voran der sehr sympathische Sänger James Skelly. Das hat man schon anders gesehen. Man erinnere sich an den vorletzten Auftritt in Berlin, als sie 2003, natürlich als Support, den Weg für ein unglaubliches Blur-Konzert ebneten. An jenem nasskalten Oktoberabend wirkten sie recht lustlos und konnten sicherlich nur wenige neue Zuhörer gewinnen.

Aber wir befinden uns im Jahr 2007. Zeit für einen Neuanfang, wie The Coral auch auf ihrer Homepage berichten. Heute nämlich passt so ziemlich alles zusammen: Songauswahl, Leidenschaft, Sound und das eigentlich auf die Arctic Monkeys wartende Publikum. Schon lange ist eine Vorband nicht mehr so enthusiastisch aufgenommen worden. Unsere „Six Boys From Merseyside“ sind ebenfalls begeistert und gehen, den Beifall sichtlich genießend, in die riesige Menge winkend und applaudierend von der Bühne. Das nächste Mal dann als Headliner. Da lege ich mich jetzt fest.

Arctic Monkeys

Nachdem The Coral die Bühne geräumt haben, ist erst einmal Warten angesagt. Und zwar sehr lange Warten. Denn es dauert fast eine Stunde, bis der letzte Roadie auch die Setlist an den richtigen Platz gelegt, jede Gitarrensaite gestimmt und die Wasser- und Bierflaschen korrekt platziert hat. Dann aber: Licht aus, Geschrei an. Die vier Monkeys betreten die Bühne, und diese erwartete Aura von Unauffälligkeit, Schluffigkeit und leichtem Künstler-Ennui schlägt einem sofort ins Gesicht. So wird auch kein Wort an das Publikum gerichtet, Frontman Alex Turner und Co. schnallen sich die Instrumente um und geben mit „Brianstorm“ den Startschuss für den folgenden 90-minütigen Ritt, bei dem der Brit-Rock-Kuh ordentlich die Sporen gegeben wird. Doch trotz der riesigen Begeisterung der Zuschauer, bei denen vom Teenager mit Britpop-Frisur über den angesoffenen Nord-Engländer bis zum Familienvater mit seinem circa zwölfjährigen Sohn alles vertreten ist, bietet Turner bis auf ein paar genuschelte „thank you’s“ und dem üblichen „are you having a good time?“ nicht viel Kommunikation mit dem Publikum. Erst am Ende wird er die Berliner als „one of the best crowds of the whole tour“ loben.

Bei den Arctic Monkeys stehen die Songs im Mittelpunkt. Und dafür sorgt vor allem Schlagzeuger Matt Halders. Was dieser für unglaubliche Drum-Passagen hervorzaubert, ist schlicht atemberaubend. Und weil er dabei auch noch aussieht wie ein Metzger, der gerade eine Schweinehälfte zerteilt, macht er fast Animal, dem Schlagzeuger der Muppet Show, Konkurrenz. Exemplarisch ist das bei „The View From The Afternoon“ zu sehen, dass schon auf Platte einen tollen Drum-Sound hat, der aber live noch mal um ein vielfaches gesteigert wird. Ich hätte Haus und Hof gewettet, dass schon nach diesem Song das Schlagzeug schrottreif geprügelt ist. Es hält aber zum Glück die ganze Show durch. Und so präsentiert sich die Band im Vergleich zu ihren letzten Deutschland-Auftritten souveräner und freier im Umgang mit dem Songmaterial. Da wird der Clash-haftige Reggae-Rhythmus bei „Fluorescent Adolescent“ in den Vordergrund gerückt, eine Extended Version von „Teddy Picker“ mit zusätzlichen Breaks geboten und dem Pop bei „Leave Before The Lights Come On“ ein leidenschaftlicher Zungenkuss gegeben. Die Crowd-Pleaser sind aber eindeutig der Kracher „I Bet You Look Good On The Dancefloor“ und „When The Sun Goes Down“ bei dem ordentlich gecrowdsurft und gemoshpittet wird. Danach ist auch der reguläre Konzertteil beendet. Und die Frage stellt sich: Gibt es überhaupt eine Zugabe? Denn bei dem letzten Gig der Monkeys im Frühjahr im Postbahnhof ließen sie sich auch von einer ewig johlenden Menge nicht zu einer Zugabe überreden. Dieses Mal aber gibt es keine Enttäuschung, zwei Songs werden noch gespielt und mit „505“ der letzte Gruß in die Berliner Nacht gesandt.

Insgesamt haben die Arctic Monkeys die überhitzten Erwartungen nicht ganz erfüllt. Statt Pop-Götterdämmerung „nur“ eine rotzige Show von vier Anfangzwanzigern aus Sheffield. Schön war’s trotzdem.

Review kommentieren

Neues Thema im Forum

Offizielle Website

www.arcticmonkeys.com

Alle Konzerte

 

 

 

Neue Konzerte

 

Neue Reviews

 

Suche in soundmag.de