Konzerte

Brett Anderson

Brett Anderson

 

27.04.07 - Postbahnhof / Berlin

Konzert-Bericht:  Martina & Jan

Foto: Martina

 

 

 

22.04.2007 Prime Club/Köln

Brett Anderson im Prime Club - genau das, was ich mir immer gewünscht habe. Wenn er noch mal irgendwo auftreten würde, dann dort. Der erste Gedanke: da passen nicht mehr als 400 Leute rein, eine Karte kostet 20 Euro, 8.ooo Euro investieren und er spielt nur für mich alleine. Eigentlich eine schöne Vorstellung. Da ich aber Angst hatte, beim Vortrag des doch sehr getragenen Soloalbums einzuschlafen, lasse ich diesen Plan in der Schublade. Oder hätte ich mir dann sofort Suede-Songs wünschen können? Lieber glaube ich bis zum Konzertbeginn immer noch daran, dass die Songs für die Konzerte stimmungsvoll umgeschrieben sind.

Heute also ist es endlich so weit: „Brett Day“ im Rahmen der British Music Week. Der erste von vier Deutschland-Terminen im Prime Club. Kurz nach 20Uhr tummeln sich schon die ersten Besucher, bunt gemischt, einige der hier Anwesenden natürlich im obligatorischen Suede-T-Shirt. Eine halbe Stunde später hat sich der Club reichlich gefüllt.

Den Anfang machen Hey Gravity aus London, eine Mischung aus Punk und Alternativ. Die Musik ist gut und laut, die Sängerin schreit jedoch bei zu vielen ihren Songs. Ob das die richtige Einstimmung auf einen, wahrscheinlich eher ruhigen Abend ist? Warten kann so lang sein! Doch plötzlich geht das Licht aus, die Spannung steigt, der Puls beschleunigt sich. Die Streicher vom Intro zu „The More Possess The Less We Own Of Ourselves“ ertönen vom Band, was alles nur noch länger erscheinen lässt. Endlich kommt die vierköpfige Band auf die Bühne, inklusive eines alten Bekannten in Person von Mat Osman. Als alle ihre Plätze an den Instrumenten eingenommen haben, betritt als letzter Brett Anderson im braunen „Jarvis-Sakko“ und schwarzem Hemd die Bühne. Er wird lautstark empfangen, die ersten Takte zu „Love Is Dead“ erklingen. Als Opener eine mutige Wahl, ist es doch gleich zu Beginn der schönste Song vom Album.

Zur Begrüßung wird nur der Songtitel angesagt, mit beiden Händen umklammert er den Mikroständer, wiegt im Takt, schließt die Augen, fängt zu singen an: „Nothing ever goes right, nothing really flows in my life“. Dann lässt er den Mikroständer für eine Drehung wieder los, greift erneut danach, um mit ihm zu tanzen. Alles bekannte Gesten, die ankommen und mit euphorischem Applaus bestätigt werden. Sichtlich gut gelaunt genießt Mr. Anderson mit breitem Grinsen wie er vom Publikum gefeiert wird. Das Tempo steigert sich langsam, ab „Dust And Rain“ agiert er in alter Suede-Manier mit viel Power und Körpereinsatz, so kraftvoll wie die Songs bisher vorgetragen werden, klingen sie keinesfalls auf der CD. Auch die Band trägt viel zur Spannung bei. Die nächsten Minuten von „To The Winter“ bis zu „The Infinite Kiss“ schleppen sich dann aber leider doch eher zäh vor sich hin.

Beim ersten Suede-Song des Abends schließlich kommt zum ersten Mal eine unglaubliche Stimmung auf. „By The Sea“ wird untermalt von schrillem Kreischen. Zum Publikum beugend werden plötzlich so gar nicht unnahbar Hände geschüttelt, das Kreischen wird immer lauter. Die letzte Textzeile singt er kniend und wieder werden alte Zeiten hervorgerufen – einzig dass das „into the sea“ am Ende nicht mehr so quietschend wie früher klingt. Fast verlegen wirkend, hält sich Brett Anderson bei tosendem Applaus die Hand vor sein Gesicht. Mit „Song For My Father“ endet nach nur 40 Minuten das Set. Nach so vielen Jahren der Abstinenz kann das doch wohl nicht alles gewesen sein?

Mit enormer Lautstärke wird mehr gefordert. Für drei Zugaben auf der Akustikgitarre kommt Brett Anderson alleine auf die Bühne zurück. „The Wild Ones“ bestätigt erneut, warum fast alle heute hier sind: der guten alten Suede-Songs wegen. Und tatsächlich - es passiert! Die Band kommt zum letzten Zugabenblock zurück und bringt den eh schon heißen Prime Club mit “She“ und „Trash“ zum sieden. Alle sind außer sich, eine Steigerung kann es kaum mehr geben. Brett Anderson stellt sich an den Bühnenrand, erneut werden Hände geschüttelt, er animiert zum Mitspringen. Was könnte jetzt noch folgen? „The Beautiful Ones“, bei dem wirklich jeder mitsingt. So wie damals.

Wieder draußen atme ich die frische Luft ein, nach 70 Minuten Euphorie über das gerade erlebte Ereignis bringt mich der Sauerstoff langsam in die Wirklichkeit zurück. M.P.


23.04.2007 Melkweg/Amsterdam

Einem Tag später im Amsterdamer Melkweg. Auch hier ist es gut gefüllt, aber nicht ausverkauft. Die Fans vom Altersdurchschnitt etwas jünger als in Köln. Zu erwarten wäre ein ähnliches Set wie am Vorabend, doch es gibt Unterschiede. Ohne jeglichen Support beginnt um 21 Uhr das wohl bekannt Intro. Es folgen: zuerst die Band, dann Brett Anderson. Heute steht auch der Keyboarder sichtbar auf der größeren Bühne. Anderson und seine Leute werden feiernd empfangen. Die Setlist hat sich verändert. Der erste Song ist „To The Winter“, danach folgt „Love Is Dead“. Anschließend gestaltet sich der Ablauf fast identisch, das Publikum jedoch gibt sich weniger ausgelassen als die Kölner. Selbst beim ersten Suede-Song, diesmal das schöne „Saturday Night“, hellt die Stimmung zwar auf, so richtig euphorisch aber ist hier keiner.

Im ganzen wirkt das Konzert etwas träger, auch Brett Anderson gibt hier nicht so viel Gas wie am Tag zuvor, der Einsatz am Bühnenrand bleibt fast aus. „Song For My Father“, den letzten Song im Hauptset, singt Brett Anderson sehr viel einfühlsamer, stellenweise klingt es, als wäre er kurz davor zu weinen. Im Zugabenblock folgen zwei Akustiknummern, bevor bei der letzten Zugabe „Filmstar“ doch noch einige Zuschauer aus voller Kehle mit Brett Anderson johlen. Das tönt so laut, dass er das abrupte Ende des Drummers verpasst und nicht sofort bemerkt, dass er gar nicht mehr weiter singen muss. Der letzte Song ist wiederum „Beautiful Ones“, ab hier fängt die Lust auf mehr bei den meisten erst an. Leider zu spät an diesen Abend. Beim Verlassen der Bühne kommt der viel versprechende Satz“ Coming back soon“. M.P.


27.04.2007 Postbahnhof/Berlin

Auch der Postbahnhof in Berlin ist nicht ausverkauft. Schwarze Tücher müssen es richten. Und so wirkt der abgehängte Raum wie eine einzige Entschuldigung an Zeiten, als Suede und ihr Frontmann Brett Anderson an drei aufeinander folgenden Tagen das Festival in Roskilde zum Kochen brachten. Die Bühne ist spartanisch eingerichtet, das Publikum überschaubar.

Ohne Vorband geht es pünktlich mit dem zuvor erwähnten Intro los. Im Laufe des Konzertes wird es keine sonderlich aufregenden Unterschiede zu den Auftritten in Köln und Amsterdam geben. Lediglich die Tatsache, dass neben Brett Anderson und Mat Osman auch Neil Codling auf der Bühne steht/sitzt, macht diesen Abend zu etwas wirklich Besonderem. Dick ist er geworden, lange Haare umrahmen sein beschnauzbartes Gesicht. Fast hätte man ihn nicht erkannt.

Und so war nicht nur die Anwesenheit dreier Ex-Suede-Mitglieder ein melancholischer Blick in die Vergangenheit. Neben alten Hits wie „By The Sea“, „The Wild Ones“ und natürlich „Beautiful Ones“ fiel Andersons Gepose auf, welches sich stark an Bewegungen aus dem Jahr 1993 anlehnte, als Anderson sich noch in Kabel einwickelte, über die Bühne tuckte und mit dem Mikrofon Analverkehr simulierte. Was damals aufregend und mystisch war, verblasst nun fast völlig angesichts eines fast 40jährigen Mannes, der mit aller Macht versucht, alte Zeiten und Erfolge wieder aufleben zu lassen.

Doch all dies kann getrost mit einer wedelnden Handbewegung ignoriert werden. Schließlich ist alles nur Makulatur, die mit der Essenz Brett Andersons Daseins vermutlich nicht viel gemein hat. Die Rede ist von seiner Musik, von Melodien und Texten. Letztlich das einzige, das zählt. Dass ihm darin keiner so schnell etwas vormachen kann, beweist er trotz Erkältung aufs Neue. Lieder wie “One Lazy Morning”, die auf Platte nahezu valiumvernebelte Zustände erzeugen, funktionieren auf eigentümliche Art und Weise auf der Bühne. Ein Lächeln, ein Handschlag erzeugt Nähe, eine alte B-Seite (“The Big Time”) beglückt.

Wer an diesem Abend mit geringen Erwartungen den Postbahnhof betrat, wird wohl eines der schönsten Konzerte dieses Jahres gesehen haben. Der Rest darf sich gern über Brett Andersons unverhohlene Versuche gemocht zu werden echauffieren. “Habt ihr erstmal eine 15jährige Karriere hinter euch und kommt in dieses Alter”, kann ich da nur rufen, um im nächsten Moment den Nörglern ganz heimlich ein ganz klein wenig recht zu geben. Schön war es trotzdem.
J.B.



Setlist Köln:

Intro
Love Is Dead
One Lazy Morning
Dust & Rain
Intimacy
To The Winter
Scorpio Rising
The Infinite Kiss
By The Sea
Back To You
Song For My Father

Ebony
The Big Time
The Wild Ones

She
Trash
Beautiful Ones

Setlist Amsterdam:

Intro
To The Winter
Love Is Dead
One Lazy Morning
Dust & Rain
Intimacy
Scorpio Rising
Back To You
Saturday Night
Colour Of Night
The Infinite Kiss
Song For My Father

Ebony
The Wild Ones

Filmstar
Beautiful Ones

Setlist Berlin:

Intro
To The Winter
Love Is Dead
One Lazy Morning
Dust & Rain
Intimacy
Back To You
By The Sea
Scorpio Rising
The Infinite Kiss
Can't Get Enough

The Big Time
The Wild Ones

Trash
Beautiful Ones

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Offizielle Website

www.brettanderson.co.uk

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