
Zwei Franzosen im Kölner E-Werk. Diese Kombination ergibt im Fall von Air gleich doppelt Sinn. E wie blubbernde Elektronik, ohne die kein Air-Song auskomme. E wie ernste Musik, die das Duo beim Songwriting zumindest im Hinterkopf zu haben scheint. Nicht zuletzt trägt das aktuelle Album den Titel „Pocket Symphony“. Jedenfalls haben sie die Straßenseite gewechselt, denn auf ihren letzten beiden Touren gastierten Air im gegenüberliegenden, größeren Palladium.
Beim Betreten der Halle steht bereits ein einsamer Gitarrist mit dem adlig klingenden Namen Peter von Poehl auf der Bühne des fast ausverkauften E-Werks, um die Leute in Stimmung zu bringen. Eigentlich unvorstellbar, denn unpassender kann es gar nicht sein. Der erste Gedanke: wer hat den bloß ausgesucht? Vielleicht sind die Monsieurs Dunckel und Godin am Nachmittag durch die Kölner Innenstadt spaziert, wo sie diesen im Regen spielenden Musiker mit Gitarre in der Fußgängerzone sahen und Mitleid empfanden. Sei’s drum, er nervt das Publikum jedenfalls für eine gute halbe Stunde.
Fast genau Punkt 21 Uhr nimmt das ersehnte Ereignis seinen Lauf. Die beiden Airs begrüßen das Publikum zusammen mit ihren drei Musikern zu den Tönen von „Radian“. Die Bühne hört auf das Designmotto „Minimale Kulisse mit enorm viel Equipment“. Neben vielen Saiteninstrumenten verengen zahlreiche analoge Synthesizer in großen Holzkästen den Platz auf der Bühne. Etwa ein Korg MS 20, dessen Soundeinstellungen nach jedem Song von Hand umgestellt werden. Außerdem mit von der Partie: ein Roland SH101 und ein Fender Rhodespiano. Bei so vielen Tasteninstrumenten muss der in weißes Hemd und Krawatte gekleidete Jean Benoit Dunckel schon mal zwei Keyboards gleichzeitig bedienen, während Godins Gesang und seine spärlichen Ansagen generell durch einen Vocoder kommen. Viele Leute können Musik machen, Air aber sind handwerklich perfekt.
Wer von diesem Abend ein großes Spektakel erwartet, merkt sehr schnell, dass bei Air tatsächlich die Musik im Vordergrund steht. Auf eine überhebliche Lichtshow wird verzichtet, die meisten Songs werden lediglich passend in diffuses Licht gehüllt. „Cherry Blossom Girl“ ist das erste zum Bewegen animierende Stück. Das kommt an und wird mit Beifall belohnt. Doch die 70 Minuten bleiben vor allem verträumt. Zum letzten Stück funkelt der Hintergrund plötzlich hell leuchtend, wie ein blitzender Sternenhimmel. Der Soundtrack zur Kulisse heißt „Kelly Watch The Stars“. Der Zugabeblock bekommt mit „Sexy Boy“ sein letztes Highlight und mit „La Femme D’Argent“ endet das Konzert ebenso instrumental wie es begann.
Die einfühlsamen Klänge bewirken ein letztes Mal angenehmes Wohlbehagen. Ganz gelassen und entspannt von dieser schönen Musik verlässt man den Saal, geht hinaus in die dunkle Nacht und sucht unterm Sternenhimmel sein Auto.
Setlist:
Radian
Venus
Once Upon A Time
Left Bank
Talisman
Cherry Blossom Girl
Napalm Love
J’ai Dormi Sous L’eau
Photograph
People In The City
Run
Mer Du Japon
Don’t Be Light
Kelly Watch The Stars
Alone In Kyoto
Sexy Boy
La Femme D’Argent
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